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Geschrieben

ach ich Naaaaseeee - Lausitz, nicht Lauenburg

 

Geschrieben

Beim Zeitunglesen habe ich mich heute früh wieder einmal über die Bürokraten-Floskel "Rückbau" geärgert. Und dass Zeitungsmenschen solche verschleiernden, schönfärbenden Wörter, Euphemismen, bedenken- und gedankenlos übernehmen. Bei dem Rückbau heute ging es um den Abriss eines Schwimmbads. 

 

Und wo ich mich gerade über Floskeln im Journalismus ärgere:
Fokus. Niemand blickt mehr auf etwas, man nimmt es in den Fokus.
Agenda. Vorhaben, Pläne, Tagesordnungen, Programme, Themenlisten - alles Agenda.
Für gleichzeitig muss man stets "zeitgleich" sagen. Verhandelt wird selbstverständlich "in Augenhöhe", Finger werden in Wunden gelegt, und dauernd wird zurückgerudert. Nie vorwärts.
 

Geschrieben

"in Augenhöhe"? Kirchensprech ist "auf Augenhöhe".

Geschrieben
  Am 25.3.2025 um 14:19 schrieb gouvernante:

"in Augenhöhe"? Kirchensprech ist "auf Augenhöhe".

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Stimmt, sorry, die Floskel heißt "auf Augenhöhe" - nicht nur in kirchlichen Organisationen, auch in Verwaltungen, Politik, Firmen etc., weil damit die angeblich gleiche Höhe gemeint ist. Bei "in der Höhe" wird ein Abstand suggeriert. Man singt ja auch  "Ehre sei Gott IN der Höhe" und nicht "auf der Höhe".

Geschrieben

Aber wo wir gerade bei Zeitungs-, Politiker- und Bürokratenfloskeln sind: Maßnahmen.
Baumaßnahmen, Sanierungsmaßnahmen, Abstimmungsmaßnahmen, Fördermaßnahmen, Klimaschutzmaßnahmen, Sicherungsmaßnahmen - oft kann man das Wort streichen, ohne dass dem Text etwas fehlt. 

Geschrieben

Hihi. Wir diskutieren gerade die Bezuschussung von Exerzitien und aus der Abteilung Personalentwicklung kam der Text zum Abrechungsmodus: "... nach Ende der Exerzitienmaßnahme ..." 🙄

Geschrieben (bearbeitet)

Wo hier gerade ein neues Forencafé "Zum schnurrenden Einhorn" eröffnet wurde: Wie ist die Mehrzahl von Einhorn? Der Duden sagt "Einhörner", mein Sprachgefühl sagt "Einhorne", und warum sagt es das? Da musste ich erst einmal überlegen: Wo hat mein Gefühl das her?

 

Es dauerte etwas, bis der Groschen fiel (sagt man zu den modernen 10-Cent-Stücken auch Groschen? Na, egal): Die Schriftstellerin Mechthilde Lichnowsky hat in ihrem Buch "Worte über Wörter" darüber geschrieben. Also nicht direkt über Einhorne. Sondern über Lindwurme. Also über den Wechsel von Endungen bei der Mehrzahlbildung. Es ist das schönste Buch über die deutsche Sprache, das bei mir im Regal steht, und da stehen viele.

Wem der Name Mechthilde Lichnowsky nichts sagt: Eigentlich hieß sie Mechtilde Christiane Marie Fürstin von Lichnowsky, geborene Gräfin von und zu Arco-Zinneberg. Eine Ur-Ur-Urenkelin von Maria Theresia. Schriftstellerin und Komponistin, befreundet mit Karl Kraus; ihre Bücher wurden in der Nazi-Zeit verboten, sie selber interniert.

 

Nach Lichnowsky also ist ein Plural, der mit einem Umlaut gebildet wird, eine Sonderform: Wurm/Würmer, Maul/Mäuler. Diese Form verschwindet wieder zugunsten der normalen Endung -e, wenn in zusammengesetzten Wörtern der Wurm und das Maul nur noch im übertragenen Sinn vorhanden sind. Der Regenwurm ist ein echter Wurm, seine Verwandten sind also korrekt alles Regenwürmer. Der Lindwurm hingegen ist ein Sagengestalt, ein Drache, er zählt nicht zu den Würmern. Deshalb: Lindwurme. Ebenso Bücherwurme. Hier ist ja nicht mehr das Ungeziefer, zoologisch die Büchermilbe, gemeint, sondern ein eifriger Leser. Der Löwenzahn im Garten hat keine echten Zähne, ergo wuchern bei mir auch keine Löwenzähne im Rasen, sondern Löwenzahne. Ähnlich ist es bei dem Wort Schlag. Wird es übertragen verwendet, verschwindet im Plural der Umlaut. Ein Keulenschlag hat die Mehrzahl Keulenschläge, der Menschenschlag hingegen kann im Plural nicht Menschenschläge lauten, also: Menschenschlage. Ein Hasenfuß ist ein ängstlicher Mensch, mehrere von der Sorte können aber nicht Hasenfüße heißen - Hasenfüße sind das, was der echte Hase am Leib hat, seine Läufe. Ängstliche Menschen sind also Hasenfuße.

Analog dazu also nach meinem Sprachgefühl das Horn. Eine Kuh hat auf dem Schädel zwei Kuhhörner. Das Einhorn als Sagengestalt nimmt dann wieder die gewöhnliche Endung -e an: Einhorne. Egal, was der Duden dazu sagt.

 

 

bearbeitet von Alfons
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Geschrieben
  Am 30.3.2025 um 14:48 schrieb Alfons:

Na, egal): Die österreichische Schriftstellerin Mechthilde Lichnowsky hat in ihrem Buch "Worte über Wörter" darüber geschrieben. Also nicht direkt über Einhorne. Sondern über Lindwurme. Also über den Wechsel von Endungen bei der Mehrzahlbildung. Es ist das schönste Buch über die deutsche Sprache, das bei mir im Regal steht, und da stehen viele.

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Da sind wir schon zwei. :winke:

Geschrieben
  Am 30.3.2025 um 14:58 schrieb Kara:

Du hast keine Tochter, oder 😁

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Doch, eine mit vielen Stofftieren. Ein Einhorn ist nicht darunter. 😀

Geschrieben
  Am 30.3.2025 um 15:01 schrieb Alfons:

Ein Einhorn ist nicht darunter. 😀

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Und vermutlich auch sonst kein Interesse daran?

Dein Sprachgefühl wäre sonst ein anderes 😆.

Geschrieben (bearbeitet)

Was mich wieder an eine Spielsituation mit unserem Kind erinnert.

 

Wir haben ihre Barbies am Wickel und sind gerade in der Kennenlernphase. Natürlich sind wir vornehm und betonen deshalb alles überdeutlich.

Nun haben Mama und Papa nicht so recht Lust, weswegen ihre Spielfiguren ätzende Namen bekommen.

Mama: "Ich bin Sieglinde".

Papa:"Ich bin Shakti Krishna"

Kind (spielt mit 2 Barbies): "Ohhh hallo Lina, das sind Shakti Krishna und" (.. Bedeutungspause, weil wir überlegen müssen wie denn nochmal dieser merkwürdige Name war. linde - irgendwas mit linde und dann noch erster Platz...) "Gewinnlinde".

 

20 Sekunden später "Okay ihr könnt jetzt wieder aufhören zu lachen".

bearbeitet von Kulti
aus vornehmen wurde vornehm
Geschrieben
  Am 1.4.2025 um 06:08 schrieb Kulti:

... weswegen ihre Spielfiguren ätzende Namen bekommen.

Mama: "Ich bin Sieglinde". ....

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Das mit dem ätzenden Namen habe ich jetzt mal überhört.

Geschrieben
  Am 1.4.2025 um 07:04 schrieb Alfons:

Das mit dem ätzenden Namen habe ich jetzt mal überhört.

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Ist glaube ich ein Generationen Ding. Heute heißt man halt Justin Agamemnon.

Geschrieben
  Am 1.4.2025 um 07:17 schrieb Kulti:

Ist glaube ich ein Generationen Ding. Heute heißt man halt Justin Agamemnon.

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Oder Cinderella Melodie

Geschrieben
  Am 30.3.2025 um 14:48 schrieb Alfons:

Wo hier gerade ein neues Forencafé "Zum schnurrenden Einhorn" eröffnet wurde: Wie ist die Mehrzahl von Einhorn? Der Duden sagt "Einhörner", mein Sprachgefühl sagt "Einhorne", und warum sagt es das? Da musste ich erst einmal überlegen: Wo hat mein Gefühl das her?

 

Es dauerte etwas, bis der Groschen fiel (sagt man zu den modernen 10-Cent-Stücken auch Groschen? Na, egal): Die Schriftstellerin Mechthilde Lichnowsky hat in ihrem Buch "Worte über Wörter" darüber geschrieben. Also nicht direkt über Einhorne. Sondern über Lindwurme. Also über den Wechsel von Endungen bei der Mehrzahlbildung. Es ist das schönste Buch über die deutsche Sprache, das bei mir im Regal steht, und da stehen viele.

Wem der Name Mechthilde Lichnowsky nichts sagt: Eigentlich hieß sie Mechtilde Christiane Marie Fürstin von Lichnowsky, geborene Gräfin von und zu Arco-Zinneberg. Eine Ur-Ur-Urenkelin von Maria Theresia. Schriftstellerin und Komponistin, befreundet mit Karl Kraus; ihre Bücher wurden in der Nazi-Zeit verboten, sie selber interniert.

 

Nach Lichnowsky also ist ein Plural, der mit einem Umlaut gebildet wird, eine Sonderform: Wurm/Würmer, Maul/Mäuler. Diese Form verschwindet wieder zugunsten der normalen Endung -e, wenn in zusammengesetzten Wörtern der Wurm und das Maul nur noch im übertragenen Sinn vorhanden sind. Der Regenwurm ist ein echter Wurm, seine Verwandten sind also korrekt alles Regenwürmer. Der Lindwurm hingegen ist ein Sagengestalt, ein Drache, er zählt nicht zu den Würmern. Deshalb: Lindwurme. Ebenso Bücherwurme. Hier ist ja nicht mehr das Ungeziefer, zoologisch die Büchermilbe, gemeint, sondern ein eifriger Leser. Der Löwenzahn im Garten hat keine echten Zähne, ergo wuchern bei mir auch keine Löwenzähne im Rasen, sondern Löwenzahne. Ähnlich ist es bei dem Wort Schlag. Wird es übertragen verwendet, verschwindet im Plural der Umlaut. Ein Keulenschlag hat die Mehrzahl Keulenschläge, der Menschenschlag hingegen kann im Plural nicht Menschenschläge lauten, also: Menschenschlage. Ein Hasenfuß ist ein ängstlicher Mensch, mehrere von der Sorte können aber nicht Hasenfüße heißen - Hasenfüße sind das, was der echte Hase am Leib hat, seine Läufe. Ängstliche Menschen sind also Hasenfuße.

Analog dazu also nach meinem Sprachgefühl das Horn. Eine Kuh hat auf dem Schädel zwei Kuhhörner. Das Einhorn als Sagengestalt nimmt dann wieder die gewöhnliche Endung -e an: Einhorne. Egal, was der Duden dazu sagt.

 

 

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soweit zum Plural, aber was ist mit Gender?
Analog zu Diakon/Diakonisse gefällt mir Einhorn/Einhornisse

 

Werner

Geschrieben

das Einhorn, zwei Einhorner, der Einhornige, die Einhornige

 

 

 

siehe auch:

Das Rind, der Bulle, die Kuh.

Geschrieben
  Am 30.3.2025 um 14:48 schrieb Alfons:

Analog dazu also nach meinem Sprachgefühl das Horn. Eine Kuh hat auf dem Schädel zwei Kuhhörner. Das Einhorn als Sagengestalt nimmt dann wieder die gewöhnliche Endung -e an: Einhorne. Egal, was der Duden dazu sagt.

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Ich habe das alles noch mal im DWDS nachgeschlagen.

Es heißt jeweils Lindwürmer, Einhörner und Löwenzähne.

Nur Bücherwürmer heißt es nicht, da springt das „Buch“ wieder in den Singular zurück - also „Buchwürmer“.

Also für „Lindewürmer“ oder „Einzelhörner“ könnte man so auch argumentieren.

(Ich glaube, für die Standardkommunikation reicht es aus, dem lexikalisierten Wortschatz zu folgen.)

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