Axel Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 (bearbeitet) Unsere Freunde bei kath.net veröffentlichen eine Pressemeldung des spirituellen Begleiters der "amici di dio", einer österreichischen Jugendorganisation. Dort heißt es: Linz (www.kath.net) "Christliche Pastoral muss immer Kernpastoral sein." Das betonte "Amici-di-Dio"-Seelsorger Don Reto Nay im Rahmen eines Wochenendes zum Thema "Evangelisierung heute" von "Amici di Dio" am vergangenen Wochenende in Puchenau bei Linz. Kritik übte der Theologieprofessor an einer heute verbreiteten Pastoral, die es allen Recht machen möchte. "Wir predigen zu allen und am Schluss haben wir niemanden", beschrieb Nay den gegenwärtigen Trend. Auch einer "Kuschel-Theologie" erteilte der Theologe einer Absage. Die Kirche sei "nicht auf Konsens, sondern auf Spaltung" aus, allerdings gehe es um eine "qualitative Spaltung", wie sie im Evangelium beschrieben sei. Der zeitgenössische Christ sei immer auch ein Einzelkämpfer. "Der Christ ist kein Rudeltier wie der Hund", brachte es Nay auf den Punkt: "Unser Vorbild muss der 'Ghetto-Christ' sein." Quelle Mir kräuseln sich ein wenig die Haare bei diesen Äußerungen. Ich weiß aber, daß sie wahrscheinlich auch einigen bei uns aus dem Herzen sprechen. Meine Fragen: 1. Was ist ein Ghetto-Christ? 2. Was ist eine qualitative Spaltung? Läßt sich ein solches Elitedenken mit der christlichen Demut vereinbaren? 3. Sind, um bei dem Bild zu bleiben, Ghettos nicht auch Gemeinschaften, die rudelartige Elemente aufweisen können? Ein Rudel mit einer Mauer drum herum? Ich bin gespannt auf Eure Diskussion bearbeitet 16. September 2003 von Axel
Erich Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 . Was ist eine qualitative Spaltung? Läßt sich ein solches Elitedenken mit der christlichen Demut vereinbaren? Mt 10, 34 Denkt nicht, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu entzweien, die Tochter mit ihrer Mutter, die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein. * 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Was ist ein Ghetto-Christ? Joh 12, 25 Wer sein Leben liebhat, verliert es; wer dagegen sein Leben in dieser Welt haßt, wird es für das ewige Leben retten. Mt 16,25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber seine Seele verliert? Was kann ein Mensch geben, um seine Seele zurückzukaufen? Ein Rudel mit einer Mauer drum herum? Die katholische Lehre und Disziplin mögen Mauern sein; aber es sind die Mauern eines Spielplatzes. Man möchte an Kinder denken, die auf dem grünen Wiesengrund einer steilen Insel in hoher See spielten. Solange sich eine Mauer um den Rand des Abgrundes zog, konnten sie sich den tollsten Spielen Überlassen und den Ort zum lärmerfülltesten aller Tummelplätze machen. Aber die Mauern wurden nedergerissen und liessen nur die nackte Gefahr des Abgrunds sehen. Die Kinder fielen nicht über den Rand; aber als man wieder nach ihnen sah, kauerten sie alle voller Angst inmitten des Eilands; und ihr Gesang war verstummt. (Chesterton)
Peter Esser Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 2. Was ist eine qualitative Spaltung? Läßt sich ein solches Elitedenken mit der christlichen Demut vereinbaren? Ich hätte es anders ausgedrückt – aber ich bin für fromme Kader. Für Gruppen, die Jesus entschieden nachfolgen. In meiner Heimatgemeinde gab es eine starke Präsenz der charismatischen Erneuerung, von vielen in der Gemeinde als Elitetruppe betrachtet … und verurteilt. Das war klar, dass man keine Eliten bilden wollte! Lieber in Kauf nehmen, mit den Wölfen zu heulen. Ich bin für diese Eliten. Ich bin für die Menschen, die sich zu Gebetsgruppen und zu Geistlichen Bewegungen zusammenschließen, um den Kern der Gemeinde zu bilden: Einen Kern, der wie ein Samenkorn in der winterlichen Kirche dieser Zeit überlebt, um im Frühling aufzugehen. Kennzeichen dieser Kerne werden ganz altmodische Prüfsteine sein: — Liebe zur Heiligen Schrift, — Liebe zur Eucharistie, — Liebe zur Kirche, Liebe zur Gemeinschaft der Heiligen, — Liebe und Treue zum Nachfolger Petri …
Squire Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Wenn diese Leute sich ordentlich benehmen habe ich auch nichts dagegen. Von den meisten innerkatholischen Ghettos bekommt man als mainstream-Katholik ja ohnehin nicht viel mit.
jouaux Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Ghetto-Christen sind die, die sich in den bequemen Schmollwinkel innerkirchlicher Nabelschau zurückgezogen haben. Klar fühlt man sich als Einzelkämpfer immer auch als Elite. Denn man hat ja keine Erfolgskriterien an denen man von anderen gemessen werden kann. Aber zum Glück sind das nur österreichische Einzelkämpfer-Attitüden. Und selbst unser Erich kämpft für eine Volkskirche im Kölner Ring.
ThomasB. Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Wenn diese Leute sich ordentlich benehmen habe ich auch nichts dagegen. Von den meisten innerkatholischen Ghettos bekommt man als mainstream-Katholik ja ohnehin nicht viel mit. Ich denke, solche Ghettos hatte Peter gerade nicht gemeint. Schließlich stellt man ein Licht ja auch nicht unter einen Scheffel, wo es niemand sieht, sondern auf Leuchter, wo es allen leuchtet, die im Hause sind. Und deshalb kriegt mein PGR bei jeder zweiten Sitzung in der Besinnung zu Beginn seine Portion Ratzinger - und die staunen dann, was der wirklich geschrieben hat...
Peter Esser Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 (Als könnte ich mich ordentlich benehmen …)
Erich Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Und selbst unser Erich kämpft für eine Volkskirche im Kölner Ring. häää?? Bin ich mal wieder zu dumm, um das zu verstehen
Explorer Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Im großen und ganzen kann ich Peter nur zustimmen. Wir bewegen uns weg von der Volks- hin zur Überzeugungskirche. Es wird zwangsläufig so werden, dass es eine Kerngemeinde gibt, in gewisser Weise elitär in Verständnis und auch Verteidigung des Glaubens, und eine weiter gefasste "Ringgemeinde", die sich zwar mit der Kirche schon noch "irgendwie" identifiziert, deren Überzeugungen aber teils sehr konträr zu denen der Kerngemeinde sein werden. Bei denen, die den Kern bilden, gibt es zwei Möglichkeiten, weiter vorzugehen: Entweder sie tragen das Licht weiter, oder aber sie resignieren und ziehen sich aus dem Gemeindeleben zurück. Zweiteres sollte natürlich nach Möglichkeit vermieden werden...
Mat Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Hallo, natürlich kann eien Kirche nur dann überleben, wenn sie überzeugen kann und von Überzeugten getragen wird. Das schließt aber Offenheit keineswegs aus. Schließlich hat Jesus seine Botschaft an alle gerichtet. Offenheit bedeutet für mich auch, verständlich zu sein. Und das schließt Gettho-Mentalität von vornherein aus: Getthos haben ihre eigene Sprache und schließen sich gegen Missliebiges ab, so wie das Forum von kath.net. Und damit wird der Verkündigungsauftrag verraten, viele Grüße, Matthias
Martin Geschrieben 16. September 2003 Melden Geschrieben 16. September 2003 Einzelkämpfer? Das erscheint mir mehr als gewagt. Gerade das Gegenteil ist der Fall, wenn eine Gemeinde wirklich lebendig ist.
helmut Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 im ghettto bin ich eingeschlossen. mein nächster ist außerhalb des ghettos. wie kann ich im ghetto christ sein. gruss helmut
Ralf Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 Frag mal die Kartäuser oder Trappisten.
Explorer Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 Einzelkämpfer? Das erscheint mir mehr als gewagt. Gerade das Gegenteil ist der Fall, wenn eine Gemeinde wirklich lebendig ist. Aber um wirklich lebendig zu bleiben, wird ein solcher Kern, wie oben beschrieben, m.E. unumgänglich werden. Einzelkämpfer zu fünft?
helmut Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 <<Frag mal die Kartäuser oder Trappisten.>> ich habe die trappisten gefragt. http://www.mariawald.com/hauptframe.htm ich finde kein ghetto. gruss helmut
Explorer Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 Ghetto ist dafür wohl auch nicht das richtige Wort...
Ralf Geschrieben 17. September 2003 Melden Geschrieben 17. September 2003 im ghettto bin ich eingeschlossen.mein nächster ist außerhalb des ghettos. wie kann ich im ghetto christ sein. gruss helmut Deine ersten beiden Sätze sind falsch, der erste ganz sicher, dem zweite fehlt ein "auch". Und auch im Ghetto kann man Christ sein. Ich rede übrigens von einem räumlichen, nicht geistigen.
dr-esperanto Geschrieben 18. September 2003 Melden Geschrieben 18. September 2003 Don Reto Nay höre ich immer bei Radio Horeb, der Mann ist g e n i a l.
helmut Geschrieben 18. September 2003 Melden Geschrieben 18. September 2003 <<Ein Ghetto (oder Getto) ist ein Stadtviertel, in dem eine bestimmte Bevölkerungs- oder kulturell geprägte Gruppe in einer mehr oder weniger strengen Isolation zu leben gezwungen ist (ursprünglich waren v.a. gesetzliche Zwänge gemeint, heute treten auch soziale und wirtschaftliche Zwänge in den Vordergrund). >> hier wird noch ein "selbstgewählt" hinzugefügt. entscheidend ist die isolation, später kommt die selbstbezogenheit hinzu. gruss helmut
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