ziska Geschrieben 6. März 2004 Melden Geschrieben 6. März 2004 Liebe hoffentlich Besserwissende Ich habe auf einer Mozart-CD die (wunderschöne) Vertonung des folgenden Textes: Ave verum corpus natum de Maria Virgine: Vere passum, immolatum in cruce pro homine: Cuius latus performatum unda fluxit et sanguine: Esto nobis praegustatum in mortis exanime. Doch leider weiss ich nicht, wo ich diesen liturgisch einordnen soll. Weiss jemand bescheid? Gruss Ziska PS: Die deutsche Übersetzung lautet im Booklet so: Sei gegrüsst wahrhaftiger Körper, geboren von der Jungfrau Maria: der im Frühling gelitten hat, geopfert am Kreuz für den Menschen: dessen durchbohrte Seite überströmte von einer Woge Blutes: er sei uns ein Vorgeschmack auf die Leblosigkeit des Todes. PS2: Ou und jetzt habe ich gerade noch eine Frage. Im selben Booklet wird "sacramentum" (latein) mit "Religion" (deutsch) übersetzt. Was haltet Ihr davon? Ist das so? Nochmals Gruss Ziska
Franciscus non papa Geschrieben 6. März 2004 Melden Geschrieben 6. März 2004 (bearbeitet) das ist ein eucharistischer hymnus - üblicherweise auch und vor allem am fronleichnamsfest gesungen.... die übersetzung ist teilweise sehr phantasiebegabt - das wort frühling kommt im lateinischen text nicht vor. vere bedeutet "wirklich, wahrhaftig" später: aus der geöffneten seite strömte blut und wasser... dann: es heisst "in mortis examine" übersetzt: in der prüfung des todes also sei uns ein vorgeschmack (des himmels) in der prüfung des todes. sacramentum ist ziemlich schwer zu übersetzen. ich bevorzuge im allgemeinen den begriff "heiliges zeichen". ursprünglich bedeutete das wort auch "fahneneid" weil es mit dem sozusagen heiligen feldzeichen zusammenhängt. man kann es ungefähr so erklären: das zeichen des heils unter den völkern, das gott schenkt, ist zunächst einmal die kirche, als immerwährendes heilszeichen gottes hier auf der erde. aus ihr entspringen dann die konkreten sakramente: taufe, firmung, eucharistie, busse, krankensalbung, ehe und priesterweihe. in ihnen ist gott in jeweils besonderer weise gegenwärtig oder handelt durch die sakramente an uns in heilsamer weise. bearbeitet 6. März 2004 von Oestemer
karolin Geschrieben 6. März 2004 Melden Geschrieben 6. März 2004 ich nehm mal an, du meinst das da: http://wso.williams.edu/cpdl/sheet/moz-618f.pdf Das ist eine Motette und wurde von ihm am 17. Juni 1791, also ein knappes halbes Jahr vor seinem Tod, in Baden bei Wien geschrieben. Liturgisch passt es überall dahin, wo nicht das Ordinarium (also Kyrie, Credo, Sanctus, Angus Dei) der Messe ist. Zu welcher Zeit es passt hat mein Voredner schon gesagt. Grüße
ziska Geschrieben 7. März 2004 Autor Melden Geschrieben 7. März 2004 Oestemer, vielen Dank für die Informationen und Übersetzungen! Was ein Sakrament ist, weiss ich eigentlich schon. Ich habe nur noch nie gehört, dass dies mit "Religion" übersetzt wird. Aber da ja auch der Rest des Textes sehr "phantasiebegabt" übersetzt wurde, wundert mich nichts mehr . Karolin, ja, genau das meine ich. – Schön , findest du auch? Lieben Gruss Ziska
Paul-C Geschrieben 7. März 2004 Melden Geschrieben 7. März 2004 die übersetzung ist teilweise sehr phantasiebegabt - das wort frühling kommt im lateinischen text nicht vor. vere bedeutet "wirklich, wahrhaftig" vērē = Adverb / wahrhaft vēre = Ablativ von ver, veris / etwa: im Frühling Da kommt es dann auf die Betonung an; hat man zwei lange "e" oder ein langes und ein kurzes. Nun hat Mozart aber eine punktierte halbe Note auf dem "ve" und eine viertel auf dem "re", damit wäre dann der Frühling gemeint. - Oder wie jetzt
Mat Geschrieben 9. März 2004 Melden Geschrieben 9. März 2004 die übersetzung ist teilweise sehr phantasiebegabt - das wort frühling kommt im lateinischen text nicht vor. vere bedeutet "wirklich, wahrhaftig" vērē = Adverb / wahrhaft vēre = Ablativ von ver, veris / etwa: im Frühling Da kommt es dann auf die Betonung an; hat man zwei lange "e" oder ein langes und ein kurzes. Nun hat Mozart aber eine punktierte halbe Note auf dem "ve" und eine viertel auf dem "re", damit wäre dann der Frühling gemeint. - Oder wie jetzt O je, die grammatikalische Möglichkeit mag hier vorhanden sein, die sematische aber wohl kaum, viele Grüße, Matthias
ziska Geschrieben 9. März 2004 Autor Melden Geschrieben 9. März 2004 die übersetzung ist teilweise sehr phantasiebegabt - das wort frühling kommt im lateinischen text nicht vor. vere bedeutet "wirklich, wahrhaftig" ve¯re¯ = Adverb / wahrhaft ve¯re = Ablativ von ver, veris / etwa: im Frühling Da kommt es dann auf die Betonung an; hat man zwei lange "e" oder ein langes und ein kurzes. Nun hat Mozart aber eine punktierte halbe Note auf dem "ve" und eine viertel auf dem "re", damit wäre dann der Frühling gemeint. - Oder wie jetzt O je, die grammatikalische Möglichkeit mag hier vorhanden sein, die sematische aber wohl kaum, viele Grüße, Matthias Jedenfalls ist es eine interessante Beobachtung.
Mat Geschrieben 10. März 2004 Melden Geschrieben 10. März 2004 Hallo ziska, interessant ist sie, ja, aber nicht eigentlich wertvoll. Ich reagiere auf so etwas immer ein wenig allergisch. Ich kenne dieselbe Diskussion bei der Interpretation von altorientalischen Texten. Da gibt es eine Lesart, die nicht nur allgemein akzeptiert, sondern durch parallele Texte abgesichert ist und dann kommt so ein Klugscheißer der ein arabisches Wörterbuch zur Hand nimmt (weil das Arabisch wohl die umfangreichste semitische Sprache ist) und erzählt der staunenden Fachwelt, dass man bisher nur groben Unfug hier gelesen hat. Schließlich lasse sich durch das Arabische etwas ganz Anderes in einen Text hineinlesen. Viele Grüße, Matthias
MichaelN Geschrieben 11. März 2004 Melden Geschrieben 11. März 2004 In meiner (Noch-)Gemeinde (Ev.-luth.) ist das Ave-verum letztes Jahr vom Chor nach dem "Christe, Du Lamm Gottes (Agnus Dei)" gesungen worden. Während des Liedes hat die Gemeinde anbetend gekniet. Manche würden das vielleicht sogar als eucharistische Anbetung sehen. Ich habe das (positiv) so empfunden.
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